Review: Django Unchained

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Ursprünglich veröffentlicht am 22. Januar 2013
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Nachdem er vom deutschen Ex-Zahnarzt-jetzt-Kopfgeldjäger Dr. King Schultz im Austausch für Informationen befreit wurde, findet der als Sklave geborne Django gefallen daran Weiße für Geld zu erschießen, und nutzt seine neugewonnenen Fähigkeiten und die Unterstützung seines ungewöhnlichen Mentors um sich an Sklaventreibern zu rächen und bald darauf seine Frau Broomhilda (haha!) von Shaft (ha!) aus dem Besitz des sadistischen Plantagenbesitzers Calvin Candie zu befreien.

Django Unchained ist meiner Meinung nach Quentin Tarantino’s triumphale Rückkehr zum Erschaffen ehrlicher und unbeschämter B-Movie Homagen mit einem modernen Touch und einer Prise Cleverness.
Mit pre-Bürgerkriegs-Sklaverei als zentraler Angelpunkt werden hier klare Verhältnisse geschaffen, was eine Schwarz/Weiß Moralität des Themas angeht. Ungeschönt, aber auch nicht allzu exploitativ wird hier die volle Gnadenlosigkeit und schlichte Unmenschlichkeit im Umgang mit den Sklaven gezeigt und geklärt, was Recht und Unrecht angeht. Hier gibt es keine Kompromisse. Wer zwischen zwei Lagern steht, muss sich früher oder später entscheiden und die Konsequenzen tragen, was hier eigentlich immer in karthasischen Blutfontänen endet.

Während das den Film nie so intelligent oder spannend macht wie Tarantinos für mich zumindest objektiv gesehen besten Film Inglorious Basterds, so kombiniert er mit diesem Spaghetti-”Southern” hier seine Stärken die er beim erwachsenwerden als Filmemacher gelernt hat, allen voran was eine klare, eigenständige und wunderbare Bildsprache angeht mit dem wilden, augenzwinkernden und unverblümten Spaßfaktor, den ich bei Ihm zuletzt in der ersten Kill Bill Hälfte gesehen habe.
Einiges herumstolpern was das Pacing angeht (was aber gleichzeitig auch die lustigste Szene im Film beschert), so wie einige albern aussehende Splatter Effekte sind da schnell verziehen.

Unterstützt wird das ganze wie immer durch einen fantastisch ausgewählten Soundtrack, der nur selten sein Ziel verfehlt (in diesem Fall durch plärrende Zwischeneinlagen eines Taylor Swift-artigen Neo-Country Songs und dem ersten der beiden besonders anachronistischen Hip-Hop Songs der etwas zu früh für die Stimmung einsetzt), sowie tollen Schauspielern.

Jaime Foxx macht eine glaubwürdige Wandlung vom schlichten Sklaven über kaltblütigen Rächer bis hin zum ikonischen schwarzen Westernhelden durch und kann so mit Christoph Waltz mithalten, der hier, diesmal als wortgewandter und moralisch komplexer Symphatieträger noch eine größere Bandbreite beweisen kann als in seiner Rolle des Nazi-Judenjägers Hans Landa.
Wirklich leid tut mir hier nur Leonardo DiCaprio. Als sich selbst als nobler Dandy, aber leicht-zu-erkennend ekelhafter Einfaltspinsel Calvin Candie liefert er hier eine seiner besten Leistungen ab, wird aber komplett überschattet durch Samuel L. Jackson als sein hinterlistiger Haussklave Stephen.
Der sonst so coole Jackson macht hier eine erstaunliche Transformation zu einem teuflischen und über alle Maßen Verdorbenen “Bösen-Onkel-Tom” durch, gegen den selbst die fiesesten Rassisten in diesem Film blass wirken.
Darüber hinaus gibt es einige nette Gastauftritte von Walton Goggins, Don Johnson, Bruce Dern, Tom Savini, Jonah Hill, Russ Tamblyn und dem orginal Django Franco Nero.

Während für mich auf dem Papier wahrscheinlich Inglorious Basterds der bessere Film sein mag, so ist es doch klar das Django Unchained für mich persönlich der liebste Tarantino Film ist.

Es ist der Film, den ich immer von Tarantino wollte: Ein B-Movie der ersten Klasse, der mit Cleverness und Charme das Besondere eines alternden Genres besser zeigt als die meisten seiner “echten” Vertreter.