Review: Iron Man 3

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Ansehen? Yup
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Den Ereignissen von „The Avengers“ folgend, ist Tony Stark aka. Iron Man in den Augen der Öffentlichkeit inzwischen zu einem nahezu symbolischen Helden geworden. Doch er selbst hat die Ereignisse nicht so gut verkraftet wie er denkt und leidet unter sporadischen Panikattacken und Flashbacks die dazu führen das er sich 100% obsessiv auf die Entwicklung neuer und besserer Iron Man Rüstungen konzentriert.
Als die USA von plötzlichen Bombenanschlägen und dem Auftauchen eines Terroristen namens „The Mandarin“ erschüttert wird, macht sich Tony selbst zum Ziel der Angriffe und endet ohne seine Technologien und Ressorcen gestrandet irgendwo im nirgendwo, gejagt von scheinbar übermächtigen Gegnern.

Iron Man 3 ist nicht unbedingt in einer beneidenswerten Situation und macht es sich auch nicht einfacher. Nicht nur, das es die theoretische Fortsetzung eines lange Zeit für unmöglich gehaltenen Filmprojekts ist, das in vielerlei Hinsicht unmöglich von Iron Man 3 getoppt werden kann, es ist auch noch der notorisch immer schwierige dritte Teil der jetzt auch noch beweisen muss, das die Marvel Superhelden Filme auch noch in ihren „Einzel-Held-Filmen“ sehenswert ist. Zudem ist der Film selbst wieder losgelöster vom größeren Marvel Universum (Tatsächlich ist es der erste Iron Man Film ohne einen Auftritt von Fan Favoriten Samuel L. Jackson als Nick Fury). Und im Verlauf seiner Handlung tut er sich auch keinen Gefallen gegenüber eingefleischten Comicfans, mit einigen dramatischen Änderungen gegenüber der etablierten Mythologie, die bereits durch viele negative IMDB Reviews „gerächt“ wurden (pun intended).

Aber, um meiner Meinung nach fair zu sein, objektiv gesehen waren die Iron Man Filme schon immer problematisch. Iron Man 1 wäre in allen Dingen ein mittelmäßiger Film würde er nicht gerettet werden durch das großartige Casting, allen voran eben Robert Downey Jr., und Iron Man 2 war nur eine mäßig zufriedenstellende Fortsetzung, die dank der Versprechungen des kommenden Avengers Films und etwas kompetenteren Actionszenen ursprünglich recht leicht davonkam.
Man kann sich durchaus darüber streiten, aber ich finde das Iron Man 3 glücklicherweise den richtigen Weg geht und sich hauptsächlich darauf konzentriert, Spaß zu machen, was zwar oftmals auf Kosten von Handlung und Logik geht, aber so gut unterhält das das erst im Nachhinein etwas stört, wenn überhaupt.

Zwar ist es technisch gesehen der „düsterste“ Teil der Reihe, aber erhält dennoch seinen leichteren Ton und schafft es trotzdem (auch dank Robert Downey Jr.’s gewöhnt toller Performance) den psychologischen Schaden seines Protagonisten und die Dramatik der Ereignisse treffend zu thematisieren. Es macht zudem Spaß zu sehen das der Film immer wieder auf Plotelemente fällt, die anderswo oftmals auf ein enttäuschtes Stöhnen oder ein genervtes Seufzen treffen (z.B. der Einführung eines kleinen Jungen als temporärer Sidekick für Tony Stark) aber hier so augenzwinkert verspielt angegangen werden, das auch diese Spaß machen. Das führt auch zu einer fast schon schockierenden Plotwendung, die zwar darauf aus ist Hardcore-Fans aktiv zu verärgern und im Plot jetzt auch nicht übermäßig clever ist, aber auf einer Meta-Ebene so brilliant ist, das es den Film für mich ein Stück weit aufgewertet hat. Doch sollte das einem nicht gefallen, bekommt man hier dank Neuzugang Shane Black als Regisseur und würdigen „Kanonenfutter-Gegnern“ auch endlich mal einige spannende und gut inszenierte Actionszenen.
Dennoch sollte es angesprochen werden, das der Film bei weitem nicht perfekt ist. Wie bereits angedeutet häufen sich Plotlücken, die oftmals nur für eine coole Szene oder einen netten Gag in Kauf genommen werden. Das zieht sich bis zum Ende/Epilog des Films, das den Protagonisten zwar auf einen interessanten Kurs führt und einen treffenden Schlusstrich zieht, der einen über die Zukunft der Iron Man Filme und Tony Starks Rolle in der unvermeidlichen Avengers Fortsetzung rätseln lässt, aber trotz der Überlänge des Films überhastet wirkt. Und auch wenn alte Iron Man Filme dem Konzept nie fremd waren, ist das exzessive Product-Placement hier an einem Punkt, wo es auf eine ablenkende Weise auffällt.

Gemischte Gefühle gibt es bei den Neuzugängen im Cast. Über Ben Kingsley braucht man kaum Worte zu verlieren, er ist fantastisch als Super-Terrorist Mandarin und genießt seinen völlig überzogenen Charakter. Guy Pearce als Stark-Rivale Aldrich Killian, der eine persönliche Vendetta gegen den Protagonisten führt, ist zweidimensional, weiß aber durch sein schleimiges Charisma zu unterhalten. Andere Charaktere sind jedoch weitestgehend uninteressant, doch am schlimmsten trifft es einen der neuen primären Nebencharaktere, die Wissenschaftlerin Maya Hansen, gespielt von Rebecca Hall. Diese springt immer wieder zwischen „Langweilig“ und „Unsinnig“ hin und her und ist dafür das viele Dinge der Handlung auf ihr basieren im großen und ganzen erstaunlich nutzlos.
Und auch der andere große weibliche Nebencharakter, Gwyneth Paltrow’s Pepper Potts, hats irgendwie schwer. Sie wurde in den früheren Teilen immer wieder als Plotdevice und „Damsel in Distress“ missbraucht, was Macher und Darsteller sogar zugegeben haben. In Iron Man 3 wird sie ein bisschen mehr in die Action und den Plot miteinbezogen und ist darin aktiver involviert, doch dennoch kann man sich einfach nicht von ihr als hilfloses Plotelement trennen und auch wenn sie zwischenzeitlich einen Moment im Rampenlicht bekommt, fühlte sich selbst dieser für mich etwas fehlgeleitet an.

Iron Man 3 macht Spaß. Er triumphiert nicht über andere Comicverfilmungen, inklusive „The Avengers“ selbst, aber im großen ganzen ist es der meiner Meinung nach beste Iron Man Film.
Aber er triumphiert zum Beispiel da, wo „The Dark Knight Rises“ stolperte. Trotz der geringeren Ernsthaftigkeit und der Ignoranz gegenüber einer Bodenständigkeit schafft es dieser dritte Teil weit besser seinen Protagonisten als Mensch mit dem harten Preis seiner Superhelden Identität zu konfrontieren, ihn abstürzen zu lassen, ihn wieder aufzubauen und am Ende einen Schlussstrich zu ziehen.
Er ist da erfolgreich wo es zählt und ein guter Start für Marvel Studios’ „Phase 2“