Review: Die Sehnsucht der Falter

Originaltitel: The Moth Diaries
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Das junge Mädchen Rebecca freut sich auf das letzte Jahr in einer abgelegenen Internats-Mädchenschule, wo sie mit ihrer SEHR engen Freundin Lucy zusammenlebt. Doch dann taucht Ernessa auf, eine seltsame neue Mitschülerin, zu der sich Lucy hingezogen fühlt während Rebecca misstrauisch ist.
Als beide Mädchen durch den passiven (oder vielleicht aktiven?) Einfluss Ernessas immer weiter auseinander treiben und in ihre eigenen Obsessionen gedrängt werden, häufen sich für Rebecca seltsame Ereignisse, und bald fürchtet sie ihre beste Freundin im wortwörtlichen Sinne zu verlieren.

Der Film eilt schnell zu der Schlussfolgerung, das Ernessa eine Art Vampir ist und macht das von vornherein mit dem Einfügen von Bram Stokers Dracula und später noch präziser dessen spirituellen Vorgänger „Carmilla“ als Lernstoff klar.
Doch trotz der gedrängelten Assoziation zerstreut der Film glücklicherweise schnell den Gedanken daran, das es sich hier um ein Zwischenstück von „Twilight“ und „Interview mit einem Vampir“ drehen könnte und verleiht dem Plot eine gewisse Bodenständigkeit und den Charakteren ein wenig Tiefe, die den Film zwar oft weit weg von „Horror“ und mehr Richtung „Drama“ treibt, aber eine interessante Interpretation von Vampirmythologie sowie eine wendungsreiche Handlung abliefert.

Ein echter Glücksgriff ist dem Film dabei mit Lily Cole als Ernessa gelungen. Cole hat ein ziemlich ungewöhnliches Aussehen, was ihrer Rolle als andersartiges, mysteriöses Mädchen natürlich zu gute kommt, und schafft es mit kleinen aufblitzenden Gesichtszügen und einem ständig wechselnden Temperament eine Subtilität in ihre Antagonistenrolle zu packen.

Als etwas problematisch erweist sich aber hier die Umsetzung des Plots. Mit unter 90 Minuten ist der Film ziemlich kurz, hat aber viel Stoff, was dazu führt das Handlungsstränge sehr schnell mit fast schon irritierend rasanten Schnitten abgearbeitet werden. Das verhindert zwar das der Film trotz mangeldem Gruselfaktor langweilig wird, sorgt aber auch gleichzeitig dafür das man sich kaum für die Situationen akklimatisieren kann.
Das Rebecca und Lucy beste, engste Freundinnen sind wird kaum etabliert, genauso wie oft die Zeit fehlt den Einschlag schockierender Wendungen darzustellen oder Atmosphäre aufzubauen. Die Inszenierung wirkt einfach übereilt und schadet der Geschichte, die nur selten Platz zum Atmen hat.

„The Moth Diaries“ ist ein bewusst kleiner Film, der mit einer unverbrauchten und ungewöhnlichen Vampirstory zu überzeugen weiß, die zwar nicht sonderlich gruselig, aber immer interessant ist. Es wäre nur schön gewesen, wenn man sich ein wenig mehr Zeit genommen hätte, Atmosphäre und Charaktere wirken zu lassen, statt von einer Plotentwicklung zur nächsten zu hetzen.