Review: Stoker

IMDB-Link
Ursprünglich veröffentlicht am 18.03.2013
Ansehen? Ja
Kaufen? Kann ich nur empfehlen

Der wohlhabende Architekt Richard Stoker stirbt am 18. Geburtstag seiner geliebten Tochter, der verschlossenen und etwas eigenen Außenseiterin India.
Zur Beerdigung taucht der ihr unbekannte und sehr mysteriöse Onkel Charlie auf um einige Zeit im Haus zu leben. Während ihre Mutter Evie den charismatischen Verwandten schnell als einen sehr willkommenen „Ersatz“ für ihren verstorbenen Mann empfindet, bleibt India skeptisch gegenüber dem eigentlich Fremden, der sich mit etwas zu sehr Interesse in ihr Leben drängt. Doch als India tatsächlich einige unheimliche Einblicke in die dunkle Seite ihres Onkels gewährt werden, entwicklelt sie eine zunehmende Faszination für ihn.

Regisseur Park Chan-Wook, der vor einigen Jahren international mit dem surrealen Rache-Thriller Oldboy für Aufregung gesorgt hat (und dessen bisherige Filme mir alle sehr symphatisch, wenn auch manchmal nicht so ganz zugänglich waren) liefert hier seinen ersten amerikanischen Film ab und alle Befürchtungen, das dies mit einem Qualitätsverlust einhergeht sind fürs erste unbegründet. Im Gegenteil, Chan-Wook ist hier krass und morbid wie eh und je, doch dank der großartigen Inszenierung dieser finsteren Familiengeschichte ist „Stoker“ sein vielleicht bester Film.

Das Casting ist hierbei ein nicht zu unterschätzendes Element des Erfolgs. Insbesondere Matthew Goode, den ich schon in „Watchmen“ sehr interessant wenn auch völlig falsch gecastet fand, ist großartig als unheimlicher aber auch charismatischer Charlie und darf hier die volle Bandbreite seines Könnens zeigen. Die junge Protagonistin Mia Wasikowska überzeugt ebenfalls vollends und auch wenn Nicole Kidman mir persönlich eher unsymphatisch ist, so ist sie hier ideal besetzt und füllt ihren Charakter exzellent aus.

Das Drehbuch von Wentworth Miller (der Protagonist von „Prison Break“) mag zwar ab und an eine Lücke hinterlassen und man kann schon früh sehen, wie in etwa die Geschichte enden wird, doch finden sich auf den Weg dahin immer wieder kleinere Kniffe und Wendungen, die einen über Details rätseln lassen und einen gespannt an der Stange halten.

Doch am Ende ist es Park Chan-Wooks Film. Mit geradezu exzessiv poetischen Bildern versteht der Regisseur alleine durch diese dramatisch, unheimlich oder ab und zu auch mal schwarzhumorig zu sein und durch diese tolle visuelle Inszenierung ist der Film eigentlich niemals weniger als wundervoll.

Das westliche Debüt des koreanischen Kultregisseurs ist ein fantastischer Erfolg und schon jetzt ein persönlicher Kandidat für den besten Film des Jahres. Toll.